Methoden und Muster für Verkäufe im Call
Als unverbindlich beworbene Telefonberatungen sind of nur Verkaufsgespräche.
„unverbindliche” Verkaufstechniken am Telefon
Ob es nun „kostenloser Call” oder „Strategiegespräch” oder „Potenzialanalyse” heißt oder wie auch immer: es klingt erstmal nach Beratung, ist aber oft derselbe Ablauf: ein standardisiertes Skript mit dem einzigen Ziel, den Interessenten zum nächsten Termin zu bringen, oder gleich zum Abschluss eines Vertrages. So ewtas wird intern als „Setter-Call” bezeichnet. „Unverbindlich” ist dabei allerdings oft nur eine Worthülse, um Bedenken im Vorfeld auszuräumen.
Wenn Sie selbst gerade so ein Gespräch hinter sich haben: Sie sind nicht die Ausnahme. Genau dieses Muster begegnet mir immer wieder.
Wozu die Arbeitsteilung bei den Anrufen?
Der Setter, mit dem man zuerst spricht, ist meist keine Fachkraft. Seine Aufgabe ist es, den Kunden anhand eines Skripts zu qualifizieren und den eigentlichen Verkaufscall beim „Closer” zu terminieren. Das kann praktisch jeder. Der Closer hingegen ist teurer und braucht viel Verhandlungsgeschick.
Ein weiterer Punkt ist die Verschleierung der Verantwortung: Weil der Setter formal nur den Termin vereinbart und nicht selbst verkauft, kann er im Gespräch Dinge suggerieren oder in Aussicht stellen, ohne dass daraus formal ein bindendes Verkaufsversprechen wird. Stimmt natürlich nicht, aber erweckt den Anschein.
Die Muster und Techniken im Einzelnen
Künstliche Verknappung und Dringlichkeit
Wenn man „nur jetzt” die Möglichkeit zu einem Angebot hat, dann vergleicht man nicht. Darum wird oft eine Dringlichkeit oder Knappheit suggeriert
- „Nur noch X Plätze diese Woche” → bei Online-Coaching gibt es in aller Regel kein physisches Platzlimit.
- „Der Preis steigt nächste Woche” → oft frei erfunden oder bei jedem Call aufs Neue behauptet.
- Countdown-Timer → beginnt bei jedem Neuladen wieder von vorne.
Die falsche Beratungs-Behauptung
Der Call wird als „kostenlose Analyse deiner Situation” verkauft, folgt aber einem standardisierten Skript mit vorab festgelegtem Gesprächsziel. Häufig fehlt dem Setter zudem jede fachliche Qualifikation für das, was er angeblich „analysiert”, etwa bei Finanz-, Steuer- oder Rechtsfragen innerhalb eines „Coachings”.
Pain-Amplifikation
Gezieltes Nachbohren bei Unsicherheiten, Ängsten oder finanziellen Sorgen baut emotionalen Druck auf, bevor überhaupt ein Angebot fällt: „Was würde es bedeuten, wenn sich in X Jahren nichts geändert hat?” Das wirkt wie ein Ratschlag, dient aber nur der Verkaufsvorbereitung.
Commitment-Fragen als Falle
„Wenn ich dir zeige, wie das funktioniert, bist du dann bereit, heute eine Entscheidung zu treffen?” Wenn man hier zustimmt, hat man sich psychologisch schon gebunden, bevor der Preis überhaupt genannt wurde.
Falsche Autoritäts- und Erfolgssignale
Kundenzahlen, Umsätze oder Testimonials, die nicht überprüfbar oder schlicht erfunden sind oder die aus anderen Verträgen stammen. Screenshots angeblicher Auszahlungen, die nicht verifizierbar sind.
Verzerrte Investment-Sprache
„Das ist kein Kosten-, sondern ein Investment-Gespräch” oder „Die Raten bekommst Du durch die Optimierungen ganz locker wieder rein” → reines Marketing, um Kaufwiderstand zu senken. Ratenzahlungsangebote werden als risikofrei dargestellt, obwohl dahinter echte Kreditverträge mit eigener Bonitätsprüfung stehen.
kein Verkauf ohne Call
Der Kauf ist nicht direkt über die Webseite möglich, sondern erst nach einem vorgeschalteten Gespräch, wie auch immer es benannt wird.
Die Unwahrheit über die Verbindlichkeit selbst
„Das ist völlig unverbindlich” – während im selben Call der Folgetermin beim Closer schon als gesetzt behandelt wird, z.B.: „Dann sehen wir uns morgen um 14 Uhr, richtig?” Teilweise wird schon im Setter-Call ein mündlicher Abschluss vorbereitet oder herbeigeführt, obwohl der Call als reine Terminvereinbarung beworben wurde.
Social Proof durch Gruppendruck
Verweise auf angebliche andere Teilnehmer, die „gerade auch schon zugesagt haben” → erzeugt Herdenverhalten und ist meist ohne echten Beleg.
exklusive Auswahl als Tarnung
„Wir arbeiten nur mit Leuten, die wirklich bereit sind.” Das kehrt die Kaufsituation um: Nicht der Käufer entscheidet, ob er kauft, sondern scheinbar der Anbieter, ob er ihn „auswählt”. Das erzeugt Rechtfertigungsdruck.
spezielle Angebote
Folgende Coaching- und MLM-Angebote arbeiten mit einem Call. Nicht alle davon haben alle hier angeführten Elemente eingebaut und auch die Aggressivität/Verkaufsdruck ist sehr unterschiedlich.
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Was tun, wenn man schon im Call sitzt?
Aufzeichnen? Zustimmung aller Beteiligten einholen (§ 201 StGB). Aber: eine live-KI-Mitschrift, sofern sie nicht zwischengespeichert wird, fällt nicht hierunter. Ebenso darf man alles live von Hand mitschreiben.
Immer zu zweit. Gehen Sie immer mit einem Zeugen in den Call, und zwar tranparent. Dieser sitzt mit Ihnen vor der Kamera bzw. stellt sich im Telefonat ebenfalls vor.
Keine Zusagen am Telefon. Gleich am Anfang klarstellen: „Ich entscheide nie am selben Tag.” Dieser Satz hebelt das Commitment-Skript aus. Wenn das Angebot dann angeblich verfällt, war es automatisch schlecht.
Danach: Notizen sofort vervollständigen, Landingpage/Checkout/AGB/Widerrufsbelehrung per Screenshot mit Datum sichern.
Fragen, die entlarven: „Was genau bekomme ich für den Preis – bitte einzeln.” „Wird das aufgezeichnet, von wem?” „Schicken Sie mir das Angebot schriftlich, bevor ich entscheide?”
eine Prüfung lohnt sich
Wenn im vermeintlich unverbindlichen Call bereits ein Vertrag zustande gekommen ist, wenn Erfolgszahlen oder Testimonials nachweislich falsch waren, oder wenn die Widerrufsbelehrung fehlte oder fehlerhaft war, bestehen häufig Ansatzpunkte für Widerruf, Anfechtung oder Rückabwicklung. Das wie auch vieles andere prüfe ich gerne im Einzelfall.
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- Keine Unterlagen? Kein Problem, manchmal habe ich schon ähnliche.
- Sie sind nicht der oder die Erste mit einem Coaching-Fall.