Coaching-Webinare: eine Kaffeefahrt ist ehrlicher
Webinare sind oft nur die moderne Version von Kaffeefahrten
Bei der Kaffeefahrt weiß man, worauf man sich einlässt: Man steigt in einen Bus, es gibt Kaffee und Kuchen und am Ende bekommt jeder einen Wäschetrockner geschenkt (also: so eine Wäschespinne). Und jeder im Bus weiß: gleich kommt der Haken. Das mag unangenehm sein, aber ehrlich, weil es allgemein bekannt ist.
Beim kostenlosen Webinar aber denkt man, man lernt hier etwas. Man setzt sich freiwillig hin, in der eigenen Wohnung, öffnet den Laptop und merkt erst nach 45 Minuten, dass man gerade in derselben Choreografie sitzt wie die Rentner im Reisebus - auch wenn vorher beteuert wird, es sei keine Verkaufsveranstaltung.
Die Parallelen
Die Techniken und Psychotricks sind altbekannt. Ein kostenloser Köder sind heutzutage z.B. Claude-Prompts statt Wäschetrockner. Man kann nicht weglaufen - die Kamera ist an, der Chat läuft, alle schauen zu. Produkte werden künstlich verknappt („nur die ersten 10 Plätze”). Lauter kleine Ja’s summieren sich irgendwann zu einem großen Ja. Und dann kommt in der letzten Viertelstunde der Umschwung: dann wird aus: „hier ist wertvolles Wissen” ein: „hier ist mein Programm für 2.997 €, aber nur heute”. Statt des Teppichs für nur 3.000 statt „sonst 12.000” DM gibt es heute ein Coaching für denselben Fantasiepreis. Nur halt in Euro.
Die eingebauten Erfolgsgeschichten (Sandra, die nach drei Wochen ihre Kündigung eingereicht hat und jetzt „ortsunabhängig” lebt) - das war bei der Kaffeefahrt die Statistin im Bus, die sofort aufspringt und den angepriesenen Teppich kauft.
Das fingierte Telefonat mit dem Chef, ob der Verkäufer noch die Kaffeemaschine obendrauf verschenken darf - das ist damals wie heute Prävention: wenn die Frage nach dem Haken schon beantwortet ist, bevor sie gestellt wird, muss man sie später nicht mehr fürchten. Heute will der Coach sich „einfach nur bekannter machen” oder habe selbst mal „genau da gesessen, wo du jetzt sitzt”.
Die Unterschiede
Der gemeinsame Nenner aller Webinare, ganz gleich wie sanft oder aggressiv verkauft wird, und im Gegensatz zur Kaffeefahrt ist: Ohne E-Mail-Adresse und/oder Telefonnummer gibt es keinen Zugang. Aus dem „kostenlosen Wissen” wird so mindestens ein Lead in einer Verkaufs-Pipeline, bevor überhaupt ein Wort gefallen ist.
Ein weiterer Unterschied zur klassischen Kaffeefahrt ist die Entwicklung dahin, die Teilnehmer zu Unternehmern zu machen. Aus „kaufe dieses Produkt” wird „starte mit diesem Geschäftsmodell”, egal ob nun Coaching, Dropshipping, Trading oder Personal Brand. Der Vorteil für den Anbieter ist der Nachteil des Kunden: Unternehmer haben keine Verbraucherrechte (ja, es gibt durchaus Ausnahmen), so dass meist nicht viel mehr als die Anfechtung oder je nach Produkt noch hart umkämpfte Krücken wie das FernUSG bleiben.
spezielle Angebote
Foldende Coaching- und MLM-Angebote beinhalten ein Webinar. Nicht alle davon haben alle hier angeführten Elemente eingebaut und auch die Aggressivität/Verkaufsdruck ist sehr unterschiedlich.
(bitte seitlich scrollen)
- 4P System
- AIS Methode
- Breakthrough-Webinar
- CopeCart
- EastSideProfits
- EastSideProfits
- Facebook Cashbooster
- Funnel Sprint
- KI Female Business School
- KI Operator
- KI Speed Business
- KI-Agenten für Affiliates Minikurs
- Lottis Masterclass
- Malbuch Masterclass
- MONEYMAKER Virtual Workshop
- Nie mehr zurück Akademie
- Nike Menzel LLC
- Online-Coaching-Verträge und § 7 FernUSG
- Online-Workshop & Secret Business Community
- Psychologische Tricks und Methoden im Sales-Funnel von Online-Coachings
- Queen Codes
- Secret Business 2.0
- The Affiliate Code
- The Exit Code
- Timo Maletschek Coaching
- TLC
- Vairal
- VIP-Affiliate-Club
- ViralMailer
Fazit
Die Mechanik ist also insgesamt ähnlich. Der Unterschied aber ist die Verpackung: die Kaffeefahrt sieht von vornherein aus wie ein Verkauf, das Webinar aber sieht am Anfang aus wie Bildung. Und deshalb ist die Kaffeefahrt fairer: Man weiß von Anfang an, woran man ist.
Der Gesetzgeber hat das schon vor Jahrzehnten erkannt und Kaffeefahrten reguliert: Ankündigungspflicht, Informationspflichten, § 312 BGB. Das digitale Pendant läuft bis heute mit weniger Leitplanken.
Vielleicht braucht auch der Gesetzgeber mal ein Coaching.
Kontakt:
mit 266 google-Rezensionen
Bewertung: 5,0 ⭐⭐⭐⭐⭐
- Keine Unterlagen? Kein Problem, manchmal habe ich schon ähnliche.
- Sie sind nicht der oder die Erste mit einem Coaching-Fall.