Letztes Update Stand: 2.6.2026, Lesezeit ca. 6 min

Wie Online-Coachings mit psychologischen Methoden Kunden führen

Online-Coachings nutzen versteckte Verkaufsstrategien und psychologische Tricks, um Kunden in teure Verträge zu lenken. Ein kritischer Blick auf Vertrauensaufbau, Verknappung und Upselling im Sales-Funnel. Erfahren Sie, wie Anbieter mit subtilen Methoden arbeiten, um den Verkauf zu maximieren – und was Kunden beachten sollten.

zum Sales-Funnel im Online-Coaching

Schwarm silberner Fische im blauen Meer, der sich von breiter Formation zu enger Spitze hinter einem Leittier verdichtet, Metapher für Sales-Funnel und Kundenführung
Bild: KI, Prompt: Thomas Meier-Bading

Das Besondere am Verkaufen vieler Online-Coachings ist, dass der Anbieter viel Geld verdienen möchte, das aber nicht von Anfang an klar kommunizieren kann, dann verkauft er nämlich nichts. Der Anbieter muss daher einen sehr versteckten Weg wählen, damit der Kunde nicht merkt, dass er eigentlich viel mehr Geld zahlen soll als er anfangs glaubt. Hierzu gibt es verschiedene psychologische Methoden, die teilweise aus den USA zu uns rübergeschwappt sind, teilweise aber auch hier weiterentwickelt wurden.
Spielen Sie gern mein fiktives Beispiel für einen Sales-Funnel durch, um mal zu sehen, wie der Einstieg in einen solchen Funnel funktioniert - die psychologischen und juristischen Tricks sind dort erklärt.

Die Phasen

Der Vertragsanbahnung verläuft schleichend und hat fast immer folgende Elemente:

Zu allem davon gibt es verschiedene Ansätze.

Phase 1: Vertrauen schaffen

Vertrauen schaffen kann der Anbieter durch verschiedene Elemente. Entweder erfolgt das durch die Darstellung des eigenen Reichtums: Unternehmer-Luxus, Autos, Yachten, Schmuck. Eine Reise nach Dubai. Ein Heli-Rundflug. Das alles auf Instagram, Tiktok und Youtube als Bühne.

Oder aber der Klassiker, das Buch: der Anbieter macht sich vom Verkäufer zum Autor. Das zeigt, wie intelligent er ist, wenn er sogar ein Buch schreiben kann. Was da drinsteht, ist eher egal, aber das Buch hat eine psychologische Wirkung: es steht im Regal und erinnert einen tagtäglich daran, dass man sich hier schonmal interessiert hat. Außerdem muss so ein Buch an eine Adresse geliefert werden.

Sehr beliebt ist auch der Blick in die Vergangenheit: „Ich war mal wie Du: ich sehe aus wie Du und Deine Freunde. Ich habe eine ähnliche Herkunft, war in einer ähnlichen Situation wie Du. Aber ich habe eine herzzerreißende Geschichte, wie ich zum Geld/Erfolg/Erfüllung gekommen bin.

Phase 2: Anlocken + Einstieg

Nun wird der Köder ausgeworfen, auch hier zu gibt es wieder verschiedene Varianten. Häufig wird die Menge oder die Zeit künstlich verknappt : „nur noch kurze Zeit bis das Angebot abläuft, X Personen sind vor Ihnen, X Personen haben das gerade gekauft”. Das ist insbesondere bei digitalen Produkten völliger Blödsinn: digitale Produkte sind per Definition unbegrenzt reproduzierbar. „Nur noch 3 Plätze" bei einem Videokurs ist mehr als ein Verkaufstrick, das ist irreführend.

Ein weiteres Merkmal: das Angebot ist kostenlos oder sehr günstig. Das hat zwei Folgen: 1. wird das Anfangsvertrauen aus Phase 1 verstärkt (kostet nicht viel) und 2. lernen die Kunden schon jetzt, dass die Ware „knapp” werden kann und sich schnelles Handeln auszahlt. Das kann später noch relevant werden. Ein weiterer Effekt ist: wer hier schon überlegt und abwägt, der wird bei höherem Einsatz erst recht abwägen.

Zuerst aber muss der Interessent weg von Insta und Youtube und hinein in die eigene E-Mail-Liste. Sonst ist er nämlich verloren, falls der Algorithmus den Account schließt. Darum gibt es das Gratisangebot („Freebie”) oft nur gegen Angabe der E-Mail-Adresse oder Telefonnummer.

Oft besteht die Umsetzung in einem kostenlosen Call, einem Webinar, aufgezeichnet oder anfangs noch live. Angeboten wird es als kostenlose Information, drin ist aber ein Verkaufsgespräch mit Verknappung. Manchmal ist es auch ein Einsteiger-Angebot für kleines Geld, das aber inhaltlich bald erschöpft ist.

Phase 3: Upsell + High-End

Bild: KI, Prompt: Thomas Meier-Bading

Wenn der Kunde erst einmal investiert hat, seien es ein paar Euro oder 2 Stunden Videocall, dann will er das nicht umsonst getan haben und bleibt eher dran.
Dann geht es an den Verkauf des eigentlichen Produktes. Das kann (anfangs wenig oder später) wirklich sehr viel Geld kosten, oftmals einige tausend Euro, manchmal auch über 10.000. Das kann in mehreren kleinen Stufen passieren, aber auch über den typischen „exklusiven Kreis der Eingeweihten” oder auch Mastermind oder High-End, die ganz, ganz besonders sind. Der Zugang zu diesem exklusiven Club kostet natürlich entsprechend. Und noch dazu ist wieder verbreitet die Gelegenheit genau dann besonders günstig - die eingangs erlernte Verknappung schlägt hier zu.

Typen

Die meisten Coachings gehören zu einer von 4 Gruppen:

Der Langzeit-Funnel:

Typisch ist ein mehrstufiger Aufbau mit längerer Vorlaufphase. Der Einstieg erfolgt häufig über kostenlose Inhalte wie Webinare, E-Mail-Serien oder vergleichbare Lead-Magneten. Im Anschluss wird ein höherpreisiges Einstiegsangebot verkauft, oft im Bereich mehrerer tausend Euro und häufig als 1:1- oder Kleingruppenprogramm strukturiert.

Der Verkaufsprozess ist zeitlich gestreckt und arbeitet mit wiederholter Kommunikation vor dem eigentlichen Kaufabschluss. Höherpreisige Programme werden häufig erst nach mehreren Kontaktpunkten angeboten. In diese Gruppe fallen:

(bitte seitlich scrollen)

Der Kurzzeit-Funnel:

Der Einstieg erfolgt meist über direkte Kontaktaufnahme, typischerweise nach einem Lead-Magneten oder einer Werbeanzeige. Danach folgt zeitnah ein Gespräch (Call/Videocall) mit einem Vertriebler oder Closingsystem.

Der Abschluss erfolgt regelmäßig bereits im ersten oder zweiten Gespräch. Die Programme sind typischerweise hochpreisig und werden aktiv im Gespräch verkauft. Der Funnel ist stärker auf direkte Conversion ausgerichtet und weniger auf längeren Content-Aufbau. In diese Gruppe fallen:

(bitte seitlich scrollen)

Der Niedrigpreis-/Volumen-Funnel:

Der Einstieg erfolgt über niedrigpreisige Angebote oder sehr günstige Produkte. Ziel ist häufig eine hohe Anzahl an Erstkunden, die über Upsells oder zusätzliche Angebote weiter monetarisiert werden.

Die Skalierung erfolgt eher über Volumen und digitale Produkte ohne intensive persönliche Betreuung. Die Preisstruktur ist gestuft, mit mehreren optionalen Erweiterungen nach dem Erstkauf. Hierzu zählen:

(bitte seitlich scrollen)

Der Krypto-Anbieter (Sonderform):

Hier steht häufig ein stark performance- oder ergebnisorientiertes Versprechen im Vordergrund. Der Einstieg erfolgt über Content mit Erfolgsnarrativen und schnellen Ergebnissen.

Die Struktur ähnelt häufig entweder dem Kurzzeit- oder Volumen-Funnel, ist aber thematisch auf Trading, Krypto oder Investment spezialisiert. Hierzu zählen:

(bitte seitlich scrollen)

Sprache

Es kommen im Coaching-Bereich immer wieder Fachbegriffe auf, die einer Erklärung bedürfen:

  • Affiliate ist ein Direktwerber, der verschiedene Produkte bewirbt und von Provisionen lebt. Am Vertragsschluss selbst ist er unbeteiligt. An so gut wie allem, was ein Affiliate bewirbt, verdient er also mit - oftmals wird das aber nicht so transparent dargestellt.
  • Closer ist eine Vertriebsrolle, die insbesondere bei hochpreisigen Online-Angeboten eingesetzt wird. Der Closer führt das eigentliche Verkaufsgespräch und soll den Vertragsabschluss herbeiführen. Oftmals ist er selbständig und wird nach Umsatz bezahlt.
  • Lead-Magnet ist ein einfaches kostenloses Angebot, das man mit seinen Daten bezahlt. Der Preis ist meist die E-Mail-Adresse, durch deren Angabe man sich am Newsletter des Anbieters anmeldet. Später werden dann kostenpflichtige eigene oder fremde Produkte beworben.
  • Qualifizierung ist der Prozess, bei dem Interessenten anhand bestimmter Kriterien bewertet werden. Dazu gehören häufig Budget, Problemdruck, Kaufbereitschaft und Entscheidungskompetenz.
  • Setter ist eine Vertriebsrolle, die insbesondere bei hochpreisigen Online-Angeboten eingesetzt wird. Setter führen meist das Erstgespräch und qualifizieren Interessenten für einen Verkaufstermin mit dem Closer.
  • Tripwire ist ein bewusst günstig angebotenes Einstiegsprodukt. Es soll Interessenten zu ihrem ersten Kauf bewegen und den Einstieg in weitere kostenpflichtige Angebote erleichtern.
  • Upsell ist ein eigenständiges Folgeprodukt, das in der Regel teurer ist als das zuerst gekaufte.

Der Ausgang

Wenn der Kunde feststellt, dass der Vertrag doch zu teuer ist oder ihm nichts bringt, dann kippt die vermeintliche Freundschaft und der Ton plötzlich in ein Auftragsverhältnis. Spätestens an der Stelle sollte man sich selbst rechtlichen Rat einholen. Erfahren Sie, wie man beim Online-Coaching Geld zurück bekommt, wie man solche Verträge beendet und auf welche Warnsignale man achten sollte.

Kontakt:

Sie erreichen mich zu den üblichen Bürozeiten per Telefon: 030/34060478, Whatsapp (Text): +4916091067827 oder E-Mail: anwalt@meier-bading.de RA Meier-Bading ist seit über 20 Jahren als Anwalt tätig
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