Arbeitszeugnis: Was bedeuten die Formulierungen?
Zeugnissprache für alle
Das Arbeitszeugnis ist für viele das einzig wichtige Dokument, das sie aus einem Arbeitsverhältnis mitnehmen. Es wird schließlich von künftigen Arbeitgebern gelesen. Das Problem: Zeugnisse werden in einer eigenen Sprache geschrieben, die nach außen positiv klingt, aber intern verstanden wird. Wer das nicht weiß, unterschreibt eine Bewerbungsbehinderung.
Die Grundregel ist: Ein Zeugnis muss wohlwollend formuliert sein, darf aber nicht lügen. Arbeitgeber und Personaler haben das über Jahrzehnte zu einer Kunst entwickelt, die mit dem normalen Sprachgebrauch wenig zu tun hat.
Die wichtigsten Formulierungen
„Stets zu unserer vollsten Zufriedenheit" ist die Bestnote – Note 1. Fehlt das Wörtchen “stets” oder wird “vollsten” zu “vollen”, dann wird es schon eine 2. Fehlen beide, landet man bei einer 3. „Zu unserer Zufriedenheit" ohne jedes Adverb ist eine 4. Im Zeugnisdeutsch ist das ein vernichtendes Urteil.
Ähnliches gilt für Sozialverhalten. “Er/Sie war bei Vorgesetzten, Kollegen und Kunden gleichermaßen geschätzt” ist eine gute Formulierung. Fehlt eine der drei Personengruppen, ist das eine Kritik. Oder: “Sie/Er hat sich für die Belange der Belegschaft eingesetzt” kann ein versteckter Hinweis auf Betriebsratstätigkeit oder Konfliktbereitschaft sein.
Und die Schlussformel: Fehlt ein Satz des Dankes oder fehlen die Zukunftswünsche, ist das in der Zeugnissprache eine bewusste Auslassung: man ist froh, dass der Kollege weg ist.
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Zeugnis anfechten
Wer eine bessere Note als “befriedigend” haben will, trägt dafür die Beweislast, so die ständige Rechtsprechung des BAG. Das bedeutet: Sie müssen im Grunde all Ihre Tätigkeiten und Ergebnisse dokumentiert haben. Ein schlechtes Zeugnis einfach hinzunehmen lohnt sich trotzdem selten: Formulierungsfehler, fehlende Gesamtnote oder bewusst negative Codes sind angreifbar, ohne dass Sie die Beweislast tragen.
Zwischenzeugnis
Sie haben jederzeit Anspruch auf ein Zwischenzeugnis. Aber viele Arbeitnehmer haben Angst davor, dem Arbeitgeber zu signalisieren, dass man sich umsieht und dass das Zeugnis daher eher mittelmäßig ausfallen könnte. Darum sollten Sie Zwischenzeugnisse regelmäßig und unauffällig nach dem Kalender einfordern, auch wenn Sie gar keine Ambitionen haben zu gehen: nach der Probezeit und dann regelmäßig im Jahresabstand. Das hat zudem Vorteile bei Gehaltsverhandlungen: Über ein schlechtes Zeugnis kann man bisweilen besser diskutieren als über eine ausgebliebene Lohnerhöhung. Und ist das Zeugnis gut, fällt es auch leichter, mehr Geld zu fordern.
Urteile zum Thema Zeugnis
Folgende Urteile befassen sich mit dem Thema Zeugnis (Liste noch sehr unvollständig):
(bitte seitlich scrollen)
- Kann ich ein Zwischenzeugnis für Bewerbungen verlangen? Auto Zeugnis
- Arbeitszeugnis ohne Briefkopf – reicht das? Auto Zeugnis
- Vertragsstrafe bei Geheimnisverrat – wann ist sie unwirksam? Auto Kündigung Lohn Abfindung Zeugnis
FAQ
Mein Zeugnis klingt gut, aber ich bekomme keine Einladungen. Woran liegt das? Lassen Sie es prüfen. Was gut klingt, muss es nicht sein. Ein erfahrener Blick erkennt problematische Formulierungen sofort.
Kann ich den Wortlaut des Zeugnisses selbst vorschlagen? Ja – und das ist oft der schnellste Weg. Viele Arbeitgeber übernehmen einen gut formulierten Entwurf, den der Arbeitnehmer vorlegt.
Wie lange habe ich Zeit, ein Zeugnis einzufordern? Der Anspruch verjährt nach drei Jahren. Aber: Je länger Sie warten, desto schwieriger wird die Durchsetzung in der Praxis.
Was kostet mich das? Schreiben Sie mir kurz, was im Zeugnis steht. Ich sage Ihnen direkt, ob und wo es hakt.
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