Letztes Update Stand: 12.6.2026, Lesezeit ca. 2 min

Faceless Coaching: verbirgt es mehr als nur das Gesicht?

Faceless Coaching nutzt KI-Avatare, um Kurse zu verkaufen – doch was verbirgt sich wirklich hinter der Anonymität? Anbieter wie Digistore24 oder Copecart kennen die Verantwortlichen, Behörden prüfen steuerliche Pflichten. Kritische Betrachtung der Anbieter, Methoden und möglicher Tücken.

Was ist Faceless Coaching?

Mann im Anzug mit Kopf aus Glas
Bild: KI, Prompt: Thomas Meier-Bading

Faceless Coaching ist im Moment so ziemlich der letzte Schrei im Online-Marketing: Ein Anbieter soll Kurse oder Coachingprodukte verkaufen können, ohne je sein Gesicht zeigen zu müssen. Stattdessen tritt ein KI-generierter Klon oder Avatar auf, der Mensch dahinter bleibt unsichtbar.

Das klingt zunächst harmlos. Introvertierte Menschen, die online verkaufen wollen – das ist ja nicht verboten. Aber der Gedanke trägt nur so lange, wie die Person nicht das Produkt ist. Bei einem Softwaretool oder einem Rezeptbuch spielt es keine Rolle, wer dahintersteckt, bei einem echten Coaching-Angebot allerdings schon. Und ist man wirklich komplett anonym? Das soll der Artikel beleuchten.

Folgende Anbieter bieten entsprechende Kurse an:

(bitte seitlich scrollen)

Ein Avatar ist niemand

Ein perfekter Avatar hat keine schlechten Tage, keine Unsicherheiten, keine Poren. Er baut Vertrauen auf – ohne jemals zur Rechenschaft gezogen werden zu können. Wenn sich einer beschwert, beschwert er sich quasi bei niemandem.

Die kommunizierte Begründung für „Faceless” ist meist Privatsphäre oder Schüchternheit – und die ist manchmal auch echt. Aber ein Avatar lässt sich auch aus anderen Gründen einsetzen: den Namen verstecken, die Verfolgbarkeit minimieren, keine Google-Spur hinterlassen, der Chef erkennt einen nicht.

„Faceless” bedeutet nicht „anonym”

Gegenüber dem Publikum kein Gesicht zeigen, das lässt sich mit einem Avatar fraglos herstellen. Gegenüber den Verkausplattformen – oftmals Digistore24 oder Copecart – aber nicht. Beide kennen die echte Identität des Anbieters und melden entsprechend. Auch dem deutschen Finanzamt sind solche Strukturen kein unbeschriebenes Blatt - es interessiert sich nur für die Steuernummer, nicht für das Gesicht. Wer in Deutschland steuerpflichtig ist, bleibt es also mit anderen Worten auch hinter einem Avatar.

Strafrechtlich kommt Betrug nach § 263 StGB in Betracht, wenn der Avatar gezielt eingesetzt wird, um eine persönliche Expertise vorzutäuschen, die in Wahrheit nicht existiert.

Merke also: Wer sich hinter einem Avatar versteckt, hat meistens einen Grund. Das Publikum erfährt ihn nicht, die zuständigen Behörden aber in der Regel schon. Wirklich anonym ist man in aller Regel nicht, nur weil man kein Gesicht zeigt.

Was derartige Kurse oft wirklich verkaufen

In der Praxis sieht das oft so aus: Ein Avatar oder auch ein echter Mensch erklärt in kurzen Reels, wie man mit minimalem Aufwand Geld verdient. Wenn man den Kurs kauft, bekommt man eine Anleitung und einen WhatsApp-Gruppenzugang. Der Kurs kostet 297 €, manchmal 497 €. Dann weiß man zwar anschließend vielleich wie man ohne Gesicht etwas verkauft, nur man weiß noch immer nicht, was man verkaufen könnte.
Und dann kommt oft irgendwann das eigentliche Angebot: dasselbe Produkt selbst verkaufen, auf Provisionsbasis.

Das Faceless-Modell ist also oft nur ein Funnel, der zahlungswillige Käufer identifiziert, um sie anschließend als Verkäufer für den Kurs zu rekrutieren. Die Struktur dahinter ist dann ähnlich wie beim expotentiellen Vertrieb.

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