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Abofalle auf Sexhotline

Dienstag, den 15. April 2014 um 16:07 Uhr

01805-Nummer versucht, ein 30-€-Abo unterzujubeln

 

TelefonEin Betroffener weist mich jetzt auf eine Masche mit Abofallen auf (ohnehin schon kostenpflichtigen) Sexhotlines hin, die im Videotext beworben werden. Ich habe mir erlaubt, eine solche automatische Ansage einmal zu Aufklärungs- und Schulungszwecken mitschneiden zu lassen und die zahlreichen vulgärsprachlichen und problematischen Wörter "auszupiepsen": Download der mp3-Datei "Abofalle auf Sexhotline".

Nach einer Information, man möge die "1" drücken, dann gehe es los - und nach noch mehr diversen Informationen, kommt nach über 60 Sekunden Telefonat folgender  Satz:

"Drücke jetzt sofort die 1". - laszive Atmenpause - " und 9 auf Deinem Telefon, um das ein-malige und supergünstige Abo für nur 9 Euro 90 alle zehn Tage bei unbegrenzter Nutzung des Dienstes abzuschließen".

 

Rechtliche Beurteilung

Natürlich wird über solch eine Ansage kein wirksamer kostenpflichtiger Abovertrag geschlossen. Das hat mehrere Gründe:

  1. es ist unklar, was hier überhaupt geboten wird (was ist "der Dienst"?) und von wem das Angebot überhaupt stammt.
  2. es ist auch unklar, wer der Anrufer ist, der hier "1" und "9" drückt. Dass dies der Anschlussinhaber war, der ja die Rechnung bekommt, ist für den Anbieter nicht nachweisbar.
  3. Es besteht kein Nachweis, dass der Anrufer den Text bis zum Ende angehört und nicht etwa nach "Drücke nun sofort die 1." sofort die "1" gedrückt und den Rest nicht mehr gehört hat.
  4. Es gibt keine Widerrufsbelehrung, obwohl eine nötig ist (ein Abo wird nicht sofort erbracht). Das macht den Vertrag nicht unwirksam, gibt aber Verbrauchern eine Widerrufsmöglichkeit.
  5. Es ist schon vom Wortlaut her nicht vereinbart, dass man kündigen muss, damit die Zahlung nicht erneut anfällt.
  6. Die Entgeltklausel ist nach § 305c BGB überraschend und unwirksam, weil ein Nutzer einer Telefonnummer, deren Gebühren über den üblichen Verbindungsentgelten liegt, nicht damit rechnet, ein zweites Mal zur Kasse gebeten zu werden.

 

sich wehrenWas kann man tun?

Wenn man eine 01805-Nummer anruft, tut man das ja in aller Regel von einem Festnetzanschluss aus. Wenn sich nun ein Abo auf der Festnetz-Telefonrechnung anfindet, schreibt man an den Telefonanbieter, dass man diesen Betrag nicht bezahlen wird, bucht ggf. die Lastschrift zurück und überweist nur den rechtmäßigen Teil. Mehrwertsteuer nicht vergessen! Dann muss der "Anbieter" selbst mahnen, und dann widerrufen Sie einfach und warten, ob man Sie verklagt (sehr unwahrscheinlich).

Falls Sie von einem Handy angerufen haben, teilen Sie dem Handyanbieter das Gleiche mit. Falls dann Ihr Handy gesperrt wird, gehen Sie mit anwaltlicher Hilfe gegen den Handyanbieter vor.

Die Variante, ein zweites Mal dort anzurufen und das Abo zu kündigen, ist die schlechtere Variante; eine Kündigung beendet einen bestehenden Vertrag zum nächstmöglichen Zeitpunkt. Etwas zu beenden, was es gar nicht gibt, ist aber wenig sinnvoll.

Zu zahlen löst das Problem nicht!

 

 

 

Aktualisiert ( Dienstag, den 15. April 2014 um 17:16 Uhr )
 
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Rechtsanwalt Thomas Meier
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