Rechtsanwalt Thomas Meier-Bading Tel: 030/34060478 Fax: 030/95611927 anwalt@meier-bading.de
kostenlose Hotline kostenlose Hotline von RA Meier-Bading zum Festnetztarif
stellen Sie Ihre Fragen einfach am Telefon (keine kostenlose Rechtsberatung)
Es entstehen nur die üblichen Gebühren für ein Telefonat nach Berlin.
Mo-Fr 10.00 - 16.00 Uhr (sonst auch per
Email an RA Thomas Meier-Bading)
Tel: 030-34060478 Deutsch oder Englisch
Letztes Update 06.12.2019 um 14:31 Uhr - Geschrieben von am 12.06.2017 um 12:17 Uhr

Schikanen während der Krankschreibung

Was darf der Chef, wenn man krank geschrieben ist?

Darf der Chef zum Personalgespräch bitten?

Das Bundesarbeitsgericht (BAG) hat es klargestellt (Urteil vom 2.11.2016, 10 AZR 596 /15):

Während der Dauer einer krankheitsbedingten Arbeitsunfähigkeit kann der Arbeitgeber den 
Arbeitnehmer nur dann anweisen, zu einem Personalgespräch in den Betrieb zu kommen, 
wenn hierfür ein **dringender betrieblicher Anlass** besteht, der einen Aufschub der 
Weisung auf einen Zeitpunkt nach Beendigung der Arbeitsunfähigkeit nicht gestattet, 
und die persönliche Anwesenheit des Arbeitnehmers im Betrieb dringend erforderlich 
ist und ihm zugemutet werden kann.
Bild: Public Domain

Darf der Chef während der Krankheit anrufen?

Natürlich darf man Ihnen Gute Besserung wünschen oder je nach Position und Aufgabe des AN etwas ganz Dringendes und Essentielles nachfragen. Aber sie müssen ja nicht rangehen. Und wenn doch: Aussagen zum Gesundheitszustand müssen Sie nicht machen.
Die nächste Frage ist: welche Ansprüche hat man denn, wenn der Chef nun doch die Grenze überschritten hat? Man mag ihn, wenn man einen konkreten Gesprächsinhalt nachweisen kann, der über Genesungswünsche hinausgeht, auf Unterlassung in Anspruch nehmen können. Aber was hat man am Ende davon?
Sollten die Anrufe hingegen in Richtung Belästigung gehen, besteht unter Umständen ein Kündigungsrecht aus wichtigem Grund, bei dem keine Sperrzeit beim ALG-II erfolgt. Ob tatsächlich ein wichtiger Kündigungsgrund vorliegt, sollte man aber schon angesichts der drohenden Nachteile tunlichst nicht nach dem eigenen Rechtsempfinden beurteilen, sondern einen Anwalt fragen.

Wenn der Chef kontrolliert

Bei einem Anruf oder Besuch mag sich mancher Chef tatsächlich nur über das Wohlbefinden des Mitarbeiters erkundigen wollen. Andere haben Zweifel, ob der MA wirklich krank ist. Normalerweise kennt man seinen Chef und kann einen Anruf oder Besuch also einschätzen.

Aber was ist, wenn man nicht zuhause ist? Ein kranker Arbeitnehmer hat die Pflicht, für seine Genesung zu sorgen. Dazu muss man aber nicht als Bett gefesselt sein, im Gegenteil: ein Spaziergang oder ein Treffen mit Freunden kann durchaus für die Genesung förderlich sein. Darum ist es keine Schande, wenn man nicht zuhause ist und unterwegs “erwischt” wird. Anderers sieht es aus, wenn man während der Krankschreibung anderweitig gegen Entgelt arbeitet oder an seinem Haus baut.

Bild: Public Domain
Ein Arbeitgeber, der den konkreten Verdacht hegt, dass der MA krank feiert, wird aber sowieso härtere Geschütze als einen Anruf auffahren müssen, denn bei vorgetäuschter Erkrankung droht die fristlose Kündigung - und damit eine Kündigungsschutzklage. Um gerichtsfeste Beweise zu sammeln, wird der Arbeitgeber in der Regel einen Privatdekektiv engagieren. Dieser macht dann Beweisbilder und tritt vor Gericht als Zeuge auf. Die Kosten hierfür können u.U. sogar zulasten des Mitarbeiters gehen.

Sonstiges zum Thema Krankheit

Der Chef darf zwar fragen, woran man erkrankt ist, man muss ihm diese Frage aber nicht beantworten und man darf sogar lügen. Auch Einblick in die Krankenakte erhält der Chef nicht. Sie fällt unter die ärztliche Schweigepflicht. Selbst von einer betriebsärztlichen Untersuchung erfährt der Chef keine konkreten Inhalte, sondern nur, ob der AN gesundheitlich für den Job geeignet ist oder nicht.


Nutzerkommentare

(neueste zuerst) #8Rosali06.12.2019 14:310Seit Anfang letzen Jahres war ich aufgrund mehrerer OPs und anderer gesundheitlichen Problemen 5 mal im Krankenhaus und längerfristig krankgeschrieben. Schon nach meiner zweiten OP, als ich schon wieder ein paar Tage zu Hause war, ist mir aufgefallen, dass einer meiner Chefs persönlich bei uns vor dem Haus vorbeigefahren ist. Da ich an keiner Durchfahrtsstraße wohne, fährt dort keiner einfach so rein, sondern nur jemand, der eines der Häuser besuchen will. Damals habe ich noch an einen Zufall geglaubt. Nach der letzten OP bin ich bis Ende des Jahres und zum ersten Mal über 7 Wochen am Stück krank geschrieben. Am dritten Tag, als ich wieder zu Hause war, fuhr er ebenfalls hier rum, was ich durchs Fenster beobachet hatte. Gestern fuhr dieser Chef nochmals wieder am Grundstück vorbei, was ich wie beim ersten Mal letztes Jahr zufällig durch Nachbarn erfahren habe. Die wunderten sich deswegen. Ich fühle mich kontrolliert und an den Pranger gestellt. Bis auf einige wenige Spaziergänge mit meinem Mann und notwendige Lebensmittel-Einkäufe bzw.Arzt- u. Therapiebesuche habe ich das Haus nicht verlassen. Ich traue mich kaum noch raus #7Snori02.12.2019 10:000Hallo, ich wurde aus gesundheitlichen Gründen eine Woche von Montag bis Freitag krankgeschrieben, nun meint meine Chefin zu vordern, das ich am Freitag dem letzten Tag wo ich krankgeschrieben bin , das ich arbeiten komme, obwohl ich garnicht weiß, ob es mir dann schon gut geht. Sie meint meine Krankheit beurteilen zu können und meint das ich nicht ansteckend dann mehr sel, obwohl sie kein Arzt ist. Ich fühle mich nun gezwungen am Freitag wieder zur Arbeit zu gehen, ob es mir gut geht oder nicht. Darf der Arbeitgeber jemanden dann kündigen, wenn man an dem Freitag zur Arbeit nicht erscheint, wenn man noch kran kgeschrieben ist. #6Klausen24.10.2019 12:080Wie auch immer.Man ist als Arbeitnehmer sehr oft nach wie vor ein Leibeigener.Bedauerlich aber andrerseits auch gut, dass es die Möglichkeit gibt, sich bei allzu dreisten Gutsherren durch einen versierten Anwalt vertreten zu lassen. #5Rechtsanwalt Meier-Bading16.10.2019 13:300Derlei Einzelfälle kann man ohne Details nicht pauschal mit Ja oder Nein beantworten. Es hängt davon ab. Das Dilemma ist hier: wenn man diese oder ähnliche Fragen vor Gericht klärt, dann kann man das tun. Das aber kann auch das Arbeitsverhältnis zerrütten. Also: ist einem die Klärung dieser Fragen wo viel wert, dass man seinen Job dafür riskiert?Wenn man diese Frage mit Nein beantwortet, muss einem die Antwort einfach völlig egal sein. Wenn doch, dann nichts wie hin zur Erstberatung beim Anwalt! #4Edeltraut16.10.2019 12:200Hallo. Leider bin ich wegen Grippe krankgeschrieben. Nun hat meine Kollegin bei meinem ehemaligem Aushilfsjob nach mir gefragt. ( wohl gedacht, dass ich trotz Krankheit dort aushelfe). Ist dies zulässig? #3Ich15.10.2019 12:040Ich soll mich jedes mal rechtfertigen weil ich jetzt 5wochen krank bin. Und zum Personalgespräch war ich schon.und trotzdem soll ich immer wieder anrufen damit der Arbeitgeber mit mir sprechen kann, muss ich das überhaupt?. #2RA Meier-Bading06.02.2019 10:590Sie dürfen sich natürlich nur dann krankschreiben lassen, wenn Sie auch krank sind. #1sash05.02.2019 22:310Hey Nabend,wenn ein Chef,den Angestellten beleidigt und 1woche später von heut auf morgen die Arbeitszeit ändert (Schikane )ist das normal,Darf der sowas???Geht fast 3jahre so und ich muss mich morgen krankschreiben,das geht einfach nicht mehr!darf ich das ?

Geben Sie hier Ihren Kommentar ab

Beteiligen Sie sich an der Diskussion und berichten kommentieren Sie diese Webseite oder einen anderen Kommentar!
Hinweis: Das ist keine Email an mich, sondern ein öffentlicher Kommentar. Ich kann Ihnen auch nicht antworten, weil Ihre Emailadresse nicht abgefragt wird.


ein Name
(keine echten Daten angeben):

Ihr Kommentar:
Achtung! Ihr Kommentar wird vor Veröffentlichung erst geprüft. Das geschieht zu den üblichen Arbeitszeiten und kann selbst dann einige Minuten dauern.
 

Bewertung für diese Seite

Bewertung für diese Seite  ◉◉◉◉◉   Dieser Beitrag hat durchschnittlich 5 von 5 basierend auf insgesamt 1 Bewertungen
Schwach Perfekt