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Letztes Update 16.10.2019 um 13:30 Uhr - Geschrieben von am 12.06.2017 um 12:17 Uhr

Schikanen während der Krankschreibung

Was darf der Chef, wenn man krank geschrieben ist?

Darf der Chef zum Personalgespräch bitten?

Das Bundesarbeitsgericht (BAG) hat es klargestellt (Urteil vom 2.11.2016, 10 AZR 596 /15):

Während der Dauer einer krankheitsbedingten Arbeitsunfähigkeit kann der Arbeitgeber den 
Arbeitnehmer nur dann anweisen, zu einem Personalgespräch in den Betrieb zu kommen, 
wenn hierfür ein **dringender betrieblicher Anlass** besteht, der einen Aufschub der 
Weisung auf einen Zeitpunkt nach Beendigung der Arbeitsunfähigkeit nicht gestattet, 
und die persönliche Anwesenheit des Arbeitnehmers im Betrieb dringend erforderlich 
ist und ihm zugemutet werden kann.
Bild: Public Domain Bild: Public Domain

Darf der Chef während der Krankheit anrufen?

Natürlich darf man Ihnen Gute Besserung wünschen oder je nach Position und Aufgabe des AN etwas ganz Dringendes und Essentielles nachfragen. Aber sie müssen ja nicht rangehen. Und wenn doch: Aussagen zum Gesundheitszustand müssen Sie nicht machen.
Die nächste Frage ist: welche Ansprüche hat man denn, wenn der Chef nun doch die Grenze überschritten hat? Man mag ihn, wenn man einen konkreten Gesprächsinhalt nachweisen kann, der über Genesungswünsche hinausgeht, auf Unterlassung in Anspruch nehmen können. Aber was hat man am Ende davon?
Sollten die Anrufe hingegen in Richtung Belästigung gehen, besteht unter Umständen ein Kündigungsrecht aus wichtigem Grund, bei dem keine Sperrzeit beim ALG-II erfolgt. Ob tatsächlich ein wichtiger Kündigungsgrund vorliegt, sollte man aber schon angesichts der drohenden Nachteile tunlichst nicht nach dem eigenen Rechtsempfinden beurteilen, sondern einen Anwalt fragen.

Wenn der Chef kontrolliert

Bei einem Anruf oder Besuch mag sich mancher Chef tatsächlich nur über das Wohlbefinden des Mitarbeiters erkundigen wollen. Andere haben Zweifel, ob der MA wirklich krank ist. Normalerweise kennt man seinen Chef und kann einen Anruf oder Besuch also einschätzen.

Aber was ist, wenn man nicht zuhause ist? Ein kranker Arbeitnehmer hat die Pflicht, für seine Genesung zu sorgen. Dazu muss man aber nicht als Bett gefesselt sein, im Gegenteil: ein Spaziergang oder ein Treffen mit Freunden kann durchaus für die Genesung förderlich sein. Darum ist es keine Schande, wenn man nicht zuhause ist und unterwegs “erwischt” wird. Anderers sieht es aus, wenn man während der Krankschreibung anderweitig gegen Entgelt arbeitet oder an seinem Haus baut.

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Ein Arbeitgeber, der den konkreten Verdacht hegt, dass der MA krank feiert, wird aber sowieso härtere Geschütze als einen Anruf auffahren müssen, denn bei vorgetäuschter Erkrankung droht die fristlose Kündigung - und damit eine Kündigungsschutzklage. Um gerichtsfeste Beweise zu sammeln, wird der Arbeitgeber in der Regel einen Privatdekektiv engagieren. Dieser macht dann Beweisbilder und tritt vor Gericht als Zeuge auf. Die Kosten hierfür können u.U. sogar zulasten des Mitarbeiters gehen.

Sonstiges zum Thema Krankheit

Der Chef darf zwar fragen, woran man erkrankt ist, man muss ihm diese Frage aber nicht beantworten und man darf sogar lügen. Auch Einblick in die Krankenakte erhält der Chef nicht. Sie fällt unter die ärztliche Schweigepflicht. Selbst von einer betriebsärztlichen Untersuchung erfährt der Chef keine konkreten Inhalte, sondern nur, ob der AN gesundheitlich für den Job geeignet ist oder nicht.


Nutzerkommentare

(neueste zuerst) #5Rechtsanwalt Meier-Bading16.10.2019 13:300Derlei Einzelfälle kann man ohne Details nicht pauschal mit Ja oder Nein beantworten. Es hängt davon ab. Das Dilemma ist hier: wenn man diese oder ähnliche Fragen vor Gericht klärt, dann kann man das tun. Das aber kann auch das Arbeitsverhältnis zerrütten. Also: ist einem die Klärung dieser Fragen wo viel wert, dass man seinen Job dafür riskiert?Wenn man diese Frage mit Nein beantwortet, muss einem die Antwort einfach völlig egal sein. Wenn doch, dann nichts wie hin zur Erstberatung beim Anwalt! #4Edeltraut16.10.2019 12:200Hallo. Leider bin ich wegen Grippe krankgeschrieben. Nun hat meine Kollegin bei meinem ehemaligem Aushilfsjob nach mir gefragt. ( wohl gedacht, dass ich trotz Krankheit dort aushelfe). Ist dies zulässig? #3Ich15.10.2019 12:040Ich soll mich jedes mal rechtfertigen weil ich jetzt 5wochen krank bin. Und zum Personalgespräch war ich schon.und trotzdem soll ich immer wieder anrufen damit der Arbeitgeber mit mir sprechen kann, muss ich das überhaupt?. #2RA Meier-Bading06.02.2019 10:590Sie dürfen sich natürlich nur dann krankschreiben lassen, wenn Sie auch krank sind. #1sash05.02.2019 22:310Hey Nabend,wenn ein Chef,den Angestellten beleidigt und 1woche später von heut auf morgen die Arbeitszeit ändert (Schikane )ist das normal,Darf der sowas???Geht fast 3jahre so und ich muss mich morgen krankschreiben,das geht einfach nicht mehr!darf ich das ?

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